Ministerium für Arbeit und Soziales - Pressemitteilung Nr.: 013/2012

Magdeburg, den 26. März 2012

Opfer der DDR-Heimerziehung erhalten Unterstützung /
Bundesregierung und ostdeutsche Länder stellen Bericht zur Heimerziehung in der DDR vor


Für viele der Säuglinge, Kinder und Jugendlichen in den Heimen der DDR gehörten Zwang und Gewalt zum Alltag. Das ist das Ergebnis des Berichts „Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR“, den der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Hermann Kues, gemeinsam mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium des Inneren, Dr. Christoph Bergner, und den zuständigen Ministerinnen und Ministern aus den ostdeutschen Ländern heute in Berlin vorgestellt hat.

 

„Der heute vorgestellte Bericht zur Heimerziehung in der DDR ist ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung dieses Kapitels der DDR-Geschichte“, erklärte Sozialminister Norbert Bischoff. „Den Betroffenen soll umfangreiche Hilfe bei der Aufarbeitung Ihrer Erfahrungen gegeben werden. Dazu wird am 1. Juli ein Fonds zur Minderung der nach wie vor bestehenden Belastungen eingerichtet.  Um  jeden Fall einzeln zu betrachten und jedem Betroffenen individuell zu helfen, wird es parallel zum Fonds eine Anlauf- und Beratungsstelle für die Betroffenen in Sachsen-Anhalt geben. Dort kann eine Unterstützung bei der Recherche von Unterlagen gegeben werden und es besteht die Möglichkeit, Anträge auf Leistungen zu stellen.“

 

Auf der Grundlage des Berichts „Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR“ kommen die Bundesregierung und die ostdeutschen Länder zu der Einschätzung, dass

 

·         Zwang und Gewalt für viele Säuglinge, Kinder und Jugendliche in DDR-Heimen eine alltägliche Erfahrung waren

·         in Spezialheimen der Jugendhilfe den Betroffenen Bildung verweigert wurde, sie zur Arbeit gezwungen und allgemein die Menschenrechte verletzt wurden

·         die Erlebnisse in den Heimen zu massiven Beeinträchtigungen der Lebenschancen und Entwicklungspotentialen der Betroffenen geführt haben, die über den Heimaufenthalt hinaus bis heute nachwirken

·         viele Betroffene an den Spätfolgen, schlechten beruflichen Chancen, Stigmatisierungen und psychischen Traumatisierungen leiden.

 

Bund und ostdeutsche Länder wollen daher den Betroffenen Hilfen bei der Bewältigung von Folgen der Heimerziehung in der DDR und deren Aufarbeitung anbieten. Dazu soll ein Hilfesystem nach dem Vorbild des Fonds Heimerziehung West geschaffen werden. Der Bund und die ostdeutschen Länder werden für den geplanten Fonds insgesamt 40 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

 

 

Grundlage des Berichts sind die Ergebnisse von drei Expertisen zur Heimerziehung in der DDR, die sich mit den Themenfeldern Rechtsfragen, Erziehungsvorstellungen und  Bewältigung von Traumatisierungen beschäftigten. In die Erstellung des Berichtes haben Bund und Länder Betroffene der DDR-Heimerziehung einbezogen. Diese haben ihre Erfahrungen und Forderungen in einem eigenen Berichtsteil dargelegt.

 

„Der vorgestellte Bericht und die Expertisen machen deutlich, dass es noch weiteren Aufarbeitungsbedarf in der Heimerziehung der DDR gibt. Ich hoffe, dass die Einrichtung des Fonds und der geplanten Beratungsstelle bei den Betroffenen in Sachsen-Anhalt als Beitrag zur Versöhnung verstanden werden.“

 

Den Bericht und die Expertisen sowie allgemeine Informationen zum Fonds Heimerziehung West und Kontaktdaten der Informationsstellen in den ostdeutschen Ländern und Berlin finden Sie auf der Website: www.fonds-heimerziehung.de.

 

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.bmfsfj.de.

 

 

 





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