Staatskanzlei - Pressemitteilung Nr.: 540/2014

Magdeburg, den 18. November 2014

Jungtätervollzug soll in Raßnitz konzentriert werden

Justizministerin Professor Angela Kolb hat dem Kabinett den „Zweijahresbericht zur Lage des Jugendstrafvollzugs in Sachsen-Anhalt“ für die Jahre 2012 und 2013 vorgelegt und angekündigt, dass neben dem Jugend- auch der Jungtäter-Vollzug in Raßnitz konzentriert werden soll. Damit reagiert Sachsen-Anhalt darauf, dass die Zahl der Inhaftierten im Jugendstrafvollzug seit Jahren sinkt.

Bei 382 Haftplätzen in Raßnitz waren 2008/2009 im Schnitt 307 junge Männer inhaftiert, 2010/2011 waren es 269, 2012/2013 noch 244. Aktuell sind es 199 Männer im Jugendstrafvollzug und 25 bis zu 21-Jährige in Untersuchungshaft. Kolb sieht die sinkenden Zahlen als Folge des demografischen Wandels. „Wir wollen darum auch Gefangene bis 25 Jahre mit einer Freiheitsstrafe von unter zweieinhalb Jahren, die nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wurden, in Raßnitz unterbringen.“ Diesen Weg gingen andere Bundesländer auch. „Die erwachsenen Untersuchungsgefangenen, die zurzeit in einer speziellen Abteilung in Raßnitz untergebracht sind, werden dann auf andere Justizvollzugsanstalten verteilt.“

Das Jugendstrafvollzugsgesetz verpflichtet das Justizministerium, dem Landtag in zweijährigem Rhythmus Bericht zu erstatten. Der jetzt vorgelegte insgesamt dritte Bericht gibt einen Überblick über die Belegungssituation, über Behandlungs- und Betreuungsmaßnahmen und thematisiert die Bereiche Ausbildung und Beschäftigung sowie die Personalentwicklung. Thema ist auch die Arbeit in der Sozialtherapeutischen Abteilung, die im Januar 2013 eingerichtet wurde. Der Bericht zeigt erneut, dass viele der jungen Strafgefangenen bei Haftantritt Drogenprobleme haben. Anstaltsärzte und Suchtberatung sind zunehmend auch mit Crystal-Abhängigen konfrontiert.

Kolb sagte, die Auswertungen belegten die gute Arbeit in Raßnitz. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien hoch engagiert. Zwei Projekte hob sie heraus.

Unter der Leitung von Prof. Jens Borchert bereiten Sozialpädagogik-Studenten der Hochschule Merseburg die Entlassung von Inhaftierten im Rahmen eines „Sozialen Training“ mit vor. Ziel ist, jungen Gefangenen die Angst vor dem Weg in den Alltag in Freiheit zu nehmen. Behördengänge und die Beantragung verschiedenster Sozialleistungen werden dazu erörtert und geübt. Das Projekt findet zweimal jährlich in einem Zeitraum von vier Monaten statt.

Die Zeit nach der Haft ist auch beim Programm „Junge Väter“  im Blick. Die Behandlungsmaßnahme wird vom Psychologischen und Sozialen Dienst der Jugendanstalt Raßnitz seit Eröffnung der Anstalt durchgeführt und richtet sich an  Jugendstrafgefangene, die Väter sind oder für das Kind ihrer Partnerin die Vaterrolle übernommen hatten. „Ziel ist, deren Beziehung zu ihren Familien zu stärken.“ Dazu tragen zum Beispiel Extra-Besuchszeiten bei. Unter Anleitung werden Kommunikations- und Problemlösefähigkeit trainiert. Kolb: „Das hilft den Jugendstrafgefangenen selbst, es stärkt ihr Verantwortungsgefühl, und es unterstützt ihre Familien.“ Es stärke zugleich die Chance, auf ein straffreies Leben nach der Haft. „Halt in der Familie ist ein wichtiger Faktor, wenn das Risiko erneuter Straffälligkeit gesenkt werden soll“, sagte Kolb.





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